finance, baby! – Warum wir einen Online-Kurs zum Thema Finanzen speziell für Frauen* brauchen

Warum Frauen* einen Kurs speziell für ihre Bedürfnisse brauchen? Das erzählen Denise und Tessa im Interview mit EKOLOGISKA. Foto von Anna Shvets von Pexels.

Ein Online-Kurs zum Thema Finanzen speziell für Frauen*. An diesem Projekt haben Tessa und Denise das ganze letzte Jahr über getüftelt. Die beiden haben eigentlich keine Erfahrung im Finanzbereich, sondern kommen aus dem Marketing. Zu Beginn der Corona-Krise war ihr Alltag aber von vielen Unsicherheiten geprägt: “Uns war sehr schnell klar, dass wir absolut keine Ahnung von unseren Finanzen, aber dafür umso größere Angst vor unserer finanziellen Zukunft haben”, erklären die beiden. Deshalb machen sie sich auf die Suche nach einem Informationsangebot, von dem sie sich abgeholt fühlen. Aber: Fehlanzeige! Was sie vorfinden ist weder nahbar, noch verständlich erklärt. Und so erwächst in den beiden der Wunsch, das zu ändern.

Wir ermutigen Frauen dazu, ihre finanzielle Zukunft selbst in die Hand zu nehmen. Wir wissen, wie es sich anfühlen kann, wenn der Kontostand einen daran hindert, seine Träume in die Tat umzusetzen. 

– tessa und denise, grünDerinnen ‘Finance, baby!’

Sie sprechen in der Vorbereitung auf ihr Projekt mit rund 300 Frauen. Diese Gespräche bestärken sie in ihrem Vorhaben, einen Online-Kurs zu diesem Thema aufzusetzen: Niemand sprach wirklich gerne über Geld, obwohl fast alle Existenzängste haben. “Frauen verdienen im Schnitt 21 Prozent weniger als Männer und Finanzangebote für Frauen gibt es kaum. Nicht zuletzt deshalb sind Frauen finanziell benachteiligt – in jedem Land auf unserer Welt und kaum jemand weiß darüber Bescheid”, erklären die beiden. Mit ihrem Online-Kurs wollen sie das ändern. Die erste Runde startet am 9. Januar 2021. Wir wollten vorher von den beiden wissen, was die Teilnehmer:innen des Kurses erwarten können und warum ein Kurs, der sich an Frauen* richtet, aus ihrer Sicht die richtige Lösung für dieses Problem ist.

EKOLOGISKA: Wie habt ihr denn ganz persönlich angefangen, euch mit dem Thema “Finanzen” auseinander zu setzen?

DENISE: Als ich damit angefangen habe, mich mit dem Thema zu beschäftigen, war ich erstmal total panisch. Ich hatte Angst, dass es zu spät ist und dass ich zu wenig Geld habe, um überhaupt etwas zu drehen und zu investieren oder gar zu sparen. Also habe ich persönlich erstmal das Thema Money Mindset mit Meditationen oder Podcasts thematisiert, um mir hier ein wenig Ruhe zu verschaffen, zum Beispiel von Laura Malina Seiler oder aber auch von Madame Moneypenny. 


Als das geschafft war, habe ich mir ganz klassisch ein Buch für Anfänger gekauft. Das zu finden war gar nicht so leicht, weil ich ehrlich gesagt keine Ahnung hatte, wo ich überhaupt anfangen soll. ‘Was tippe ich überhaupt in Google ein? Finanzen für Anfänger? Börse für Dummies?’ und mit was beginne ich am Besten? Ich habe mich glaube ich tagelang durch kalte, von Zahlen übersähte Seiten geschlagen, auf denen zwar ‘Für Anfänger’ draufstand, die mir aber ein komplett anderes Gefühl gegeben haben. Irgendwann bin ich dann auf Aya Jaff und ihr Buch ‘Moneymakers’ gestoßen. Das hat mir den Einstieg erleichtert und zum ersten Mal habe ich Begriffe wie ‘Aktien’ oder ‘Börse’ überhaupt richtig verstanden. 

EKOLOGISKA: …und so habt ihr gemerkt, dass die Finanzwelt vor allem von Männern bestimmt wird?

BEIDE: Schauen wir uns die Strukturen der Finanzwelt an, dann kommen für uns besonders die Punkte Finanzielle Bildung als auch die Börse in den Kopf. Finanzielle Bildung wird im aktuellen Schulsystem leider kaum berücksichtigt, was für alle Menschen gleichermaßen negativ und dringend notwendig ist. Wenn wir dann allerdings einen Blick auf die weitere Bildung, nämlich Studienfächer werfen, liegen Frauen im Finanzwesen deutlich hinten. Daraus resultiert, dass Anstellungen, Beförderungen und Lebensanstellungen für Frauen* an wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten im Finanzwesen bei gerade mal 10 bis 25 Prozent liegen. In der Buchhaltung sind Frauen stattdessen zu fast 90 Prozent repräsentiert. 

Aber woran liegt das? Studien zufolge wird geglaubt, dass Frauen* nicht gut genug in Mathematik sind, um auf dem Fachgebiet Erfolg zu haben. Dieser Glaube hat sich in unserer Sozialisierung breitgemacht und schon Entscheidungen für Studiengänge und Berufe geprägt. 

Und auch in der Finanzwissenschaft gibt es eine riesige klaffende Gender Pay Gap. Das bedeutet: Männer sind primär in Führungspositionen und richten finanzielle Strukturen aus. Please don’t get us wrong: Wir lieben Männer und alle, die sich ganz egal welchem Geschlecht zugehörig fühlen. Wir sehen aber die einzige Chance auf eine Gleichberechtigung nur in der Umkehrung dessen, was die letzten Jahrhunderte zum Vorteil der Männer passiert ist. Wir müssen Strukturen auf Frauen* optimieren und Angebote speziell für Frauen* schaffen. 

Anmerkung der Redaktion: Bei Frauen* setzen wir in diesem Fall das Sternchen, weil sowohl cis- als auch trans-Frauen diesen Benachteiligungen unterliegen. Bei Männern verzichten wir darauf, da in der Regel cis-Männer gemeint sind.

EKOLOGISKA: Warum sind die auf Männer ausgerichteten Strukturen aus Eurer Sicht ein Problem? 

DENISE: Das Problem liegt besonders darin, dass an entscheidenden Positionen keine Frauen* sitzen. Das fängt dabei an, dass Frauen* oft nicht in Gremien sitzen, die aber über Dinge entscheiden, die oft ausschließlich Frauen* betreffen. So stellt sich die Frage, wie ein Raum voller Männer beispielsweise über die Sicherheit von Frauen* im Nachtleben entscheiden, ohne diese jemals befragt zu haben und in der Praxis dabei gewesen zu sein? 
Wenn man nicht hart im Nehmen ist, dann darf man sich schon fast garnicht unsere Datenlücken ansehen: Beim Testen von neuen Automodellen wurden bis vor Kurzem ausschließlich männliche Dummies verwendet. Was das für die Sicherheit von Frauen bedeutet, ist kaum auszumalen. 

Was das nun mit der Finanzbranche zu tun hat? Genauso wie der weibliche Körper nunmal anders ist als der Männliche, so sind es auch die Lebenssituationen von Frauen* und Männern. Hier immer universell zu entscheiden, wobei universell aus der Sicht von mindestens 90 Prozent Männern bedeutet, ist ganz schön gefährlich. 

Zudem haben wir durch die Überrepräsentation der Männer noch ein Problem: 
Die aktuelle Finanzwelt, zum Beispiel die Börse, vermittelt das Gefühl, dass man ein weißer Mann in einem teuren Anzug sein muss, um überhaupt investieren zu können. Falsch. Aber dieses Bild haben wir oft, weil wir mit etwas anderem sozialisiert wurden. Die einzige Frau in einem Raum voller Männer zu sein? Schwierig, auch wenn einem niemand etwas Böses will. Deshalb hat sich auch lange nichts geändert und es braucht Organisationen und Unternehmen, die speziell Frauen* fördern und hier ein Gleichgewicht schaffen. 

EKOLOGISKA: Mit eurem Kurs wollt ihr einen Teil dazu beitragen. Was lernen Frauen* denn bei ‘finance, baby!’?

BEIDE: In der ‘Starter Class: own your money!’ gehen wir mit Dir den ersten Schritt und fokussieren uns auf den Start in die finanzielle Sorgenfreiheit. Wir schaffen gemeinsam eine klare Übersicht über Deine Finanzen und einen klaren Step-by-Step Plan für die Zukunft. Das bedeutet konkret, dass wir uns den folgenden Themen annehmen: Zielsetzung, Motivation, Money Mindset, Kassensturz, Budgeting, Umsetzung im Alltag und erste Tipps zu Investments. 

Wir haben unsere Kursinhalte auf den Aussagen aufgebaut, die wir am häufigsten von Frauen gehört haben, wie zum Beispiel ‘Ich weiß nicht wie ich mein Gehalt einteilen und wie viel ich sparen soll’ oder ‘Ich habe Angst davor, Dinge nicht tun zu können weil ich kein Geld habe’. Die Starter Class ist sozusagen der Startschuss für die finanzielle Unabhängigkeit. In Zukunft werden noch weitere Online-Kurse folgen. Für uns am wichtigsten ist es, dass die Kurse nahbar, einfach und verständlich sind und sich so anfühlen, als würdest Du mit einer guten Freundin sprechen. Unsere derzeitigen Kurse richten sich speziell an Anfängerinnen und sind für StudentInnen, ArbeitnehmerInnen und Selbstständige geeignet.

Unser Kurs ist Teil unseres Movements. Hinter ‘finance, baby!’ Steckt noch viel mehr als das Wissen, das wir in unseren Kursen vermitteln. Hinter ‘finance, baby!’ Steckt ein Purpose. Eine Mission genau diese Dinge zu verändern und Frauen* in Führungsriegen, in Gehaltsverhandlungen, in Entscheidungsprozessen zu stärken. 

EKOLOGISKA: Was wäre denn ein erster Tipp, denn ihr Frauen* geben würdet, die ihre Finanzen selbst in die Hand nehmen wollen?

BEIDE: Ganz klar: start before you’re ready. Vielleicht nicht mit einem 5000€ Investment in spekulative Aktien. Aber mit der Berechnung Deiner Sparrate. Oder einem Haushaltsbuch. Oder oder. Wir haben immer so großen Respekt davor den ersten Schritt zu tun und etwas falsch zu machen, dass wir den ersten Schritt oft viel zu spät oder gar nicht gehen. Man ist nie 100 Prozent bereit für eine Herausforderung oder, wie wir immer sagen, den Anstieg auf einen riesigen Berg. Aber wenn man den ersten Schritt gemacht hat und dann herunterschaut sieht man, dass der Berg einem von unten viel gigantischer vorgekommen ist, als er es eigentlich ist. 

Wenn ihr neugierig geworden seid: Der Kurs startet am 9. Januar. Mehr Informationen findet ihr auf der Website zum Kurs.


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