Klimaneutral leben: Sieben Tipps, um CO2 zu sparen

Klimaneutral leben, weniger bis gar kein CO2 emittieren: Diese sieben Tipps helfen dabei. Foto von Marcin Jozwiak von Pexels.

Ein Gastbeitrag von Michael Bilharz, Initiator der Klimawette

Was sind die Top 5 oder Top 10 beim CO2-Sparen, die wir als Einzelne tun können? Eine spannende Frage. Wenn wir eine solche Liste haben, können wir sie uns einfach an die Pinnwand oder den Kühlschrank hängen und abarbeiten. Quasi Klimaschutz nach Rezept. Dann sind wir vielleicht noch nicht „klimaperfekt“, aber – so die Hoffnung – schnell und zügig „klimapositiv“. Das geht tatsächlich und solche Top-Listen gibt es auch bereits. Allerdings gibt es mehr als eine Liste. Denn was jeder und jede selbst als Big Point beim Klimaschutz beitragen kann, hängt in hohem Maße einerseits von den individuellen Möglichkeiten und andererseits von den zugrundegelegten Kriterien und Annahmen für die Top-Liste ab. Deshalb gilt auch hier – wie bei jedem Rezept: Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie den Beipackzettel. Ich habe den Beipackzettel unten angehängt. Das Rezept „Klima-Top 7“
gibt es hingegen ohne weitere Vorrede: 7 Big Points als Sofortmaßnahme zum klimaneutralen Leben, die (fast) alle sofort umsetzen können.

1. Klimaneutral leben: Kompensation des vollständigen persönlichen CO2-Ausstoßes

Bis 2050 sind es nur noch 30 Jahre. Bis dahin müssen alle klimaneutral leben, d. h. „netto“ kein CO2 mehr ausstoßen. Das ist für eine „große Transformation“ gar nicht mehr viel Zeit. Höchste Zeit deshalb, dass die Engagierten das heute schon umsetzen und Politik und Gesellschaft vorausgehen. Dieser erste Top-7-Schritt dauert 5 Minuten, wenn man seinen Fußabdruck schon kennt. Und führt zu nichts Geringerem, als dass man ab sofort nicht mehr zum Anstieg der CO2-Konzentration in der Atmosphäre beiträgt. Nebenbei wird man auch der zentralen politischen Forderung gerecht: Der CO2-Ausstoß muss teurer werden. Wenn man seinen CO2-Fußabdruck noch nicht kennt, kann man auch erst einmal zum Beispiel den UBA- CO2-Rechner nutzen und einiges über die ökologischen Big Points beim Konsum lernen. Der Einsatz für den deutschen Durchschnittsausstoß von rund 1 Tonne CO2 pro Monat beträgt bei myclimate, Klima-Kollekte und anderen gemeinnützigen Anbietern mit hohen Qualitätsstandards rund 25 Euro pro Monat (abzüglich der Steuerersparnis dank Spendenquittung). Noch einfacher funktioniert es über den Verein 3 fürs Klima, der die Auswahl wirkungsvoller Klimaschutzprojekte für einen übernimmt und alle guten Anbieter im Portfolio hat.

2. (Förder-)Mitgliedschaft in einem großen Umweltverband

Egal, wie wir uns im Alltag abmühen: Damit die gesellschaftlichen Klimaschutzziele und „klimaneutrales Leben für alle“ erreicht werden, brauchen wir andere Rahmenbedingungen. Wir brauchen eine Energiewende, eine Verkehrswende, eine Agrarwende, … Umwelt- und Klimaschutz ist ein politisches Projekt und kann nur durch starke Lobbyarbeit vorangebracht werden. Deshalb lautet der Punkt 2 auf der Liste: Mindestens eine (Förder-)Mitgliedschaft bei einem großen Umweltverband wie Greenpeace, BUND, VCD, Germanwatch oder anderen. Der Einsatz liegt bei ca. 50 bis 100 Euro im Jahr abzüglich der Steuerersparnis dank Spendenquittung.

3. Energiewende starten: zum Ökostromanbieter wechseln

Um das Klima effektiv zu schützen, brauchen wir den möglichst schnellen Umstieg auf 100 Prozent erneuerbare Energien. Mit dem Bezug von Ökostrom schaffen Sie das für Ihren Strom in Null Komma nichts. Der Wechsel dauert keine 30 Minuten und spart im Schnitt dauerhaft 0,7 t CO2 pro Jahr (bei einem Verbrauch von 1.500 kWh). In Verbindung mit Punkt 2 lohnt es sich dabei, auf die Ökostrom-Pioniere zu setzen, die seit Jahren die Energiewende gestalten. Empfehlenswerte Anbieter finden sich hier. Der Einsatz: Je nach Verbrauch und bisherigem Vertrag kein bis geringer Aufschlag auf die Stromrechnung, die sich zudem mit den zahlreichen Spartipps der Ökostromanbieter deutlich reduzieren lässt.

4. Wach werden: mit einer Sparbrause für Warmduscher*innen 

Rund sechs Minuten dauert im Schnitt unsere (tägliche) Dusche. Bereits nach zehn Minuten haben wir so viel Wasser verbraucht wie bei einem Vollbad. Warmwasser kostet aber nicht nur viel Geld, sondern ist auch ein Big Point beim CO2-Ausstoß. Deshalb hilft die alte Daumenregel „Duschen statt Baden“ nicht wirklich weiter. Viel effektiver ist es, schleunigst den alten Duschkopf mit bis zu 15 Litern Durchfluss pro Minute ab- und ein Klimaschutzmodell (möglichst mit Blauem Engel) einzuschrauben. Das heißt: voller Strahl mit Whirlpool-Effekt. Gleichzeitig sparen Sie jährlich (!) rund 80 Euro sowie 150 kg CO2 und mehr pro Person und Jahr ein. Für alle, die auch eine gewisse „Härte“ beim Duschen spüren wollen, empfiehlt es sich, nicht auf die billigste Baumarktvariante zurückzugreifen, die einfach nur den Durchflussradius verkleinert. Empfehlenswerte Produkte finden sich unter EcoTopTen.

5. Fit für die Verkehrswende: unter 10 km wird Fahrrad gefahren

Klar, dass Fahrradfahren besser ist als Autofahren, wissen wir längst. Trotzdem sind mehr als die Hälfte aller Autofahrten unter zehn Kilometern. Und weil jedes schlechte Wetter eine Herausforderung für unseren inneren Schweinehund ist, gibt es hier einen wichtigen, täglich zu erneuernden Vorsatz mit ganz klarer Ansage auf die Top-7-Liste: Unter 10 km bleibt das Auto stehen und es wird Fahrrad gefahren. Das Motto: „Einstellig mit zwei Rädern“. Das hält fit, stärkt die Abwehrkräfte, macht den Kopf frisch und entspannt schon alleine, weil die lästige Parkplatzsuche entfällt. Der Aufwand ist bescheiden: Ein regelmäßig gewartetes Fahrrad. Dafür können wir viel Geld sparen für Benzin, Parkgebühren, Bustickets. Selbst das Fitnessstudio können wir uns dann schenken. 

6. Agrarwende geht durch den Magen: Zehn mal Bio als Minimum 

Biolebensmittel gibt es inzwischen in jedem Supermarkt. Aber eben nur in beschränkter Auswahl. Gepaart mit Fragen nach weiteren Umweltkriterien wie Verpackung, Regionalität, Saisonalität etc. wird schnell schon der Kauf einer Tomate zur Wissenschaft. Selbst die Ökobilanz-Profis kommen bei Einzelfallbetrachtungen ins Stottern. Und der Bio-Einkauf – da müssen wir nicht um den heißen Brei reden – ist deutlich teurer. Deshalb gilt hier für die Top-7-Sofortliste: Wählen Sie (mindestens) zehn Produkte, die Sie dauerhaft in Bio-Qualität kaufen. Gute Kandidaten für diese Liste wären: Nudeln, Kartoffeln, Zwiebeln, Möhren, Äpfel, Bananen, Kaffee, (Hafer-)Milch, … Da geht dann natürlich immer noch mehr, aber gerade bei der Ernährung sollten wir geduldig mit uns sein. Ernährungsmuster sind ein dickes Brett zu bohren. Sinnvoll wäre deshalb auch, die 10xBio-Liste noch um einen kleinen Zusatz zu ergänzen: Einmal pro Woche ein neues veganes Lebensmittel ausprobieren. Denn ganz klar: Eine gesunde und klimafreundliche Ernährung ist in hohem Maße pflanzenbasiert und für viele Menschen (noch) gewöhnungsbedürftig. 

7. Machen Sie Ihr Geld zum Klimaschützer: Das grüne Girokonto

Haben Sie schon einmal eine Visitenkarte von einem Klimaschützer erhalten, auf der stand, gesponsert von der Kohleindustrie? Nein? Das ist gut so. Wohl aber sehe ich bei jedem Einkauf an der Kasse auch Klimaschützer*innen EC-Karten von Banken zücken, die die Kohleindustrie und andere klimaschädlichen Investitionen finanzieren. Das passt nicht zusammen. Denn auch und gerade für erfolgreichen Klimaschutz muss das Geld in der Wirtschaft an die richtigen Stellen gebracht werden. 

Deshalb gehört die „Klimaschutz-EC-Karte“ unbedingt mit auf die Top-7-Liste. Wichtig zu wissen: Bei Girokonto und Sparprodukten wie Tages- oder Festgeld ist Ihr Geld – wie bei jeder Bank – über die gesetzliche Einlagensicherung bis zu 100.000 Euro pro Person abgesichert. Empfehlenswerte grüne Banken finden sich hier. Dann kann Ihr Geld ab sofort zu 100% für den Klimaschutz arbeiten. Als Orientierung: 5.000 Euro, die auf einer grünen Bank parken, vermeiden pro Jahr bis zu 1 Tonne CO2. Der Einsatz: Je nach Bank wird die Kontoführungsgebühr etwas teurer.

Wir machen’s jetzt einfach!

Mit dieser Top-7-Liste für Sofortmaßnahmen bewirken Sie Großes im Kleinen. Bei manchen Top-Tipps sparen Sie Geld, andere kosten etwas mehr. Das meiste sind aber Einmalaktionen, die einfach zum Abhaken sind und dann dauerhaft und wirkungsvoll CO2 einsparen. Sie müssen bei den Top 7 natürlich nicht stehen bleiben. Die Liste der „Big Points für Fortgeschrittene“ wartet schon: Car-Sharing, energetische Gebäudesanierung, nachhaltige Geldanlage wie Investitionen in erneuerbare Energien, Reduktion des Fleischkonsums, Bezug von Biogas, die ineffiziente Heizumwälzpumpe und andere Big Points. Auch bei kleineren Baustellen lässt sich bekanntlich immer noch ein bisschen mehr für den Klimaschutz tun.

Grundsätzlich gilt nämlich: Die nächste eingesparte Tonne ist die beste. Die Klimawette bringt diesen wichtigen Impuls sehr schön in Aktion. Mit der Klimawette sollen bis zur nächsten Klimaschutzkonferenz in Glasgow eine Million Menschen gewonnen werden, die beim Klimaschutz noch eine Schippe oben drauf legen. Einfach noch eine Tonne CO2einsparen und das Tempo beim Klimaschutz erhöhen. Nicht lange reden, sondern Ärmel hochkrempeln und sagen: „Wir machen’s jetzt einfach!“. 

Der Beipackzettel: Zu Risiken und Nebenwirkungen

DIE eine Top-Liste für den Klimaschutz des Einzelnen wird es nie geben. Ein Blick in den „Beipackzettel“ kann hierfür Verständnis schaffen und helfen herauszufinden, welche Top-Liste für einen geeignet ist. 

Passt die Liste zu mir?

Bekanntlich gibt es nicht den „Durchschnittsmenschen“ und jeder und jede hat unterschiedliche Möglichkeiten. Die Veganerin findet den Punkt „fleischlos“ banal, der Leberkäs-Fan wird ihn auch in fünf Jahren noch vergilbt am Kühlschrank hängen haben. In beiden Fällen wäre die realisierbare Einsparung quasi 0, obwohl die Reduktion des Konsums tierischer Produkte gesamtgesellschaftlich ein Big Point für den klimafreundlichen Konsum darstellt. Was nützt es dem Mieter zu wissen, dass ein Passivhaus auf der Top-Liste ganz oben steht? Was den neuen Eigenheimbesitzer*innen, die sich ein erst vor kurzem saniertes Haus gekauft haben? Kurzum: Die Tipps werden erst dann zu „Top-Tipps“, wenn sie eine hohe Einsparung an CO2 zum Status Quo ermöglichen und nicht nur zu meinen grundsätzlichen, sondern auch zu meinen aktuellen Handlungsmöglichkeiten passen.

Was heißt der Tipp konkret?

„Nur das Nötigste einkaufen“, „weniger Autofahren oder Fliegen“ und so weiter sind beliebte Formulierungen. Dahinter können Big Points stecken, wenn „weniger“ beinhaltet, dass tausende Autokilometer eingespart oder tatsächlich ein fest eingeplanter Flug storniert wurden. Es kann aber auch viel heiße Luft sein. Gerade beim „Flugreisen-Verzicht“ kann ich mein CO2-Einsparkonto in schwindelerregende Höhe treiben. Ich muss mir nur einreden, dass ich eigentlich täglich durch die Welt jetten würde … Vielfach glauben wir sogar nur „weniger“ zu machen“. Das kann der Fall sein, wenn man zum Beispiel die Nutzung des Rades für den Weg zum See im Bewusstsein hat, dabei aber übersieht, dass durch Besuche von in Deutschland verstreuten Freund*innen das eigene Auto am Ende des Jahres sogar mehr gefahrene Kilometer auf dem Tacho hat. Je allgemeiner der Tipp formuliert wird (weniger Autofahren), umso eher wird er natürlich zum Top-Tipp. Gleichzeitig wird er umso schwammiger und damit eigentlich unbrauchbar für eine Top-Liste.

Wie messbar ist die tatsächliche Umweltwirkung?

Wenn ich von Grau- zu Ökostrom wechsel, schreibt mir der UBA- CO2-Rechner rund 700 kg CO2-Einsparung buchhalterisch gut. Tatsächlich ist der Einspareffekt aber deutlich geringer, weil es heute schon mehr Ökostrom als Ökostromkunden gibt. Bioprodukte haben ihre Vorteile weniger beim Klimaschutz, sondern vor allem beim Schutz der Artenvielfalt und dem Grundwasserschutz. Car-Sharing spart nicht nur CO2, Rohstoffe und knappe Fläche in Städten ein, sondern ist vor allem der Schlüssel für eine nachhaltige Mobilität. Die üblichen Vergleiche von CO2-Emissionen verschiedener Handlungsalternativen sind deshalb ein hilfreicher erster Schritt, aber immer auch sehr starke Vereinfachungen, die nicht alle relevanten Aspekte abdecken können. 

Will ich das überhaupt?

Zu guter Letzt möchte ein Top-Listen-Autor natürlich solche Tipps auf der Liste haben, die er oder sie auch für umsetzbar hält. Denn was nützt die schönste Liste, wenn da Dinge darauf stehen, die wir gar nicht umsetzen wollen? Zum Beispiel: „Verdiene weniger Geld“. Oder: „Spende möglichst viel Geld an Klimaschutzprojekte.“ Das sind tatsächlich die Top-Kandidatinnen für die Rezeptliste. Dahinter steht die allerwichtigste Erkenntnis aus der Umweltverhaltensforschung: Je höher das Einkommen, desto höher der Umweltverbrauch und die CO2-Emissionen. Die Liste könnten wir dann fortsetzen: Fliege nicht, ziehe in eine ganz kleine Wohnung, besitze kein eigenes Auto, esse keine tierischen Produkte. Was aber „ganz einfach“ und was „zu viel verlangt“ ist, ist dann aber wieder in gewisser Hinsicht Ansichtsache (siehe oben).

Schlussfolgerungen für Top-7-Liste

Auch die hier präsentierte Top-7-Liste ist deshalb nur eine unter möglichen Top-Listen. Sie hat folgende Ansprüche:

  • Die Tipps können von fast jeder und jedem umgesetzt werden kann. 
  • Die Tipps können sofort umgesetzt werden.
  • Die Tipps sind Big Points des nachhaltigen Konsums. 
  • Die Tipps stehen pars pro toto für umfassende gesellschaftlich notwendige Veränderungen.

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