Dildos aus Porzellan? Warum das eine gute Idee ist

Clara (Foto) und Helen sind die wohl ästhetischsten Dildos der Welt. Foto: Labim.

Tara und Julia lernen sich 2013 in Hamburg kennen, heute produzieren sie gemeinsam die wohl schönsten Dildos der Welt. Clara und Helen – so die Namen der beiden Modelle, die es bisher gibt – bestehen aus Porzellan und begeistern durch ihren minimalistisch-cleanen Look. Momentan kann man die Dildos im Crowdfunding vorbestellen. Labim ist das Abschlussprojekt der beiden Frauen, die sich während ihrer vorangegangenen Tischler:innen-Lehre kennengelernt haben. Bei EKOLOGISKA erzählen sie, was sie antreibt.

Dildos aus Porzellan – eine spannende Idee

EKOLOGISKA: Dildos aus Porzellan – das ist eine Kombination, die mir so nicht eingefallen wäre. Wie kamt ihr auf diese Idee?

TARA UND JULIA: In Bezug auf Sexspielzeug lässt sich klar sagen, dass Porzellan Eigenschaften mitbringt, die sich super dafür eignen. Wir haben uns dazu entschieden, dass die Porzellankörper glasiert werden sollen. Wie bei Glas erhalten wir so eine ganz glatte Oberfläche, die hautschmeichelnd und super gleitfähig ist und sich auch leicht reinigen lässt. Porzellan bringt seine ganz eigene Ästhetik mit. Es wirkt wertig und unaufdringlich zugleich. Das finden wir besonders schön. Ein Detail, das uns herausgefordert hat, ist das kreisrunde Loch an den Griff-Enden der Dildos. Das wird unter Anderem dafür benötigt die Dildos zum Brennen auf Brennstäbe stecken zu können, damit die Dildos vollflächig glasiert werden können. Dieses Loch verschließen wir mit einer kleinen, herausnehmbaren Kappe aus Silikon.

Das Spannende ist, dass der Markt für Sexspielzeuge aus Porzellan noch nicht besonders präsent ist. Darin haben wir die Chance gesehen, über diese Andersartigkeit einen Zugang zu den Menschen zu finden, um gleichzeitig auch eine Bühne für unsere Anliegen zu haben.

Julia und Tara sind die Gründerinnen vom Labim (v.l.n.r.). Foto: Labim.

Wie sicher sind Dildos aus Porzellan?

EKOLOGISKA MAG: Mein erster Gedanke war: ‘Was, wenn etwas kaputt geht?’ Wie sicher sind eure Dildos aus Porzellan?

TARA UND JULIA: Dildos aus Porzellan sind bei sachgemäßem Gebrauch sicher. Die Dildos haben eine Wandstärke von 3-4 mm und das Material als solches ist unheimlich robust und würde nicht einfach so brechen. Es verträgt aber keine krassen Temperaturschocks und Aufschläge auf harte Oberflächen.

EKOLOGISKA MAG: In Dildos und anderen Toys sind oft Schadstoffe enthalten, die bei Schleimhäuten natürlich leichtes Spiel haben. Wie ist das bei Porzellan?

TARA UND JULIA: Die Schadstoffe, von denen oft gesprochen wird, sind z.B. Weichmacher, die flüchtig werden. Das spielt bei Porzellan keine Rolle.

Die Porzellanmasse besteht im Wesentlichen aus drei Bestandteilen: Quarz (Sand), Feldspat und Kaolin und ist unbedenklich. Die Herstellung von Glasuren ist eine richtige Kunst, haben wir mittlerweile begriffen. Es gibt unfassbar viele Möglichkeiten und Einflussfaktoren. Unser Hersteller in Oberfranken verwendet Glasuren, die für Ess- und Trinkgeschirr geeignet sind. Diese enthalten beispielsweise kein Blei. Uns wurde bestätigt, dass von den Materialien, die sie für uns verwenden, keines auf der Gefahrenstoffliste verzeichnet ist. Außerdem haben wir die Zusicherung, dass jegliche Stoffe durch den Brennprozess kristallin gebunden werden und somit nicht mehr herauslösbar sind.

Zum Schluss haben wir die Glasuren in unabhängigen Laboren überprüfen lassen. Da wurde beispielsweise ein Test auf Metallmigration im sauren Milieu gemacht und im nächsten Schritt noch ein sogenannter Zytotoxizitätstest. Die Glasuren haben alle Tests bestanden.

Helen ist das zweite Modell von Labim. Wenn alles gut geht, solchen noch weitere Modelle folgen. Foto: Labim.

Produziert wird in Deutschland

EKOLOGISKA MAG: Ihr produziert eure Dildos in Deutschland – Wie schwer war es, einen geeigneten Produzenten zu finden?

TARA UND JULIA: Das war zum Glück überhaupt nicht schwer. Der Kontakt entstand während des Studiums und wir wurden mit unserem Anliegen ganz offen empfangen. Es war sogar so, dass uns bei unserem ersten Telefonat berichtet wurde, dass Mitarbeitende sich selbst schonmal an Dildos aus Porzellan probiert hatten. Die Idee war also nicht neu, aber wurde bis dahin nicht weiter verfolgt. Bis wir anriefen!

EKOLOGISKA: Helen und Clara – so heißen eure beiden Modelle – sehen ein wenig aus wie kleine Kunstobjekte. War das gewollt?

TARA UND JULIA: Das war absolut so gewollt! Dafür gibt es mehrere Gründe.

Ein Ziel von uns ist es dazu beizutragen Sexualität im Alltag zu stärken. Das bedeutet für uns darüber zu sprechen und wir denken, dass man über schöne Produkte leicht ins Gespräch kommen kann. Wir sagen immer unser Anspruch ist es Regal-taugliche Sexspielzeuge zu entwickeln, um nicht zu verstecken, dass wir uns selbstbefriedigen. Und wenn ein Objekt, das als Sexspielzeug genutzt wird, gleichzeitig kunstvoll und unaufdringlich daherkommt, landet es vielleicht ja wirklich eher mal auf dem Regal, als in der Sockenschublade oder unterm Bett. Hier greift nochmal der Punkt Alltagstauglichkeit. Porzellan begleitet die Menschheit schon lange im Alltag. Das ist eine ganze schöne Brücke, die sich da schlagen lässt.

Bei den Namen haben wir uns übrigens von Frauen aus der Geschichte und dem Zeitgenössischen inspirieren lassen. Im zweiten Schritt haben wir darauf geachtet, dass es kurze, leicht auszusprechende Namen sind. Wir haben den Eindruck das funktioniert. Man spricht dann halt einfach locker und leicht über Helen und Clara.

“Unsere Dildos sind zum Beispiel toll, wenn man auf die Ästhetik steht”

EKOLOGISKA: Warum glaubt ihr, dass eure Produkte den Markt für Sex Toys bereichern?

TARA UND JULIA: Unsere Dildos sind zum Beispiel toll, wenn man auf die Ästhetik steht und an dem Punkt hatten wir ja schon bemerkt, dass es Sexspielzeuge aus Porzellan nun ja noch nicht zu Hauf gibt.

Helen und Clara sind toll, wenn jemand Spaß an zarteren Modellen hat. Wirklich viele Sexspielzeuge sind sehr groß in allen Dimensionen. Der Markt an kleinen Größen ist, finden wir, etwas unterrepräsentiert. Lang und voluminös ist total toll, aber nicht für alle und auch nicht für jeden Moment. Es ist so, dass die Vagina „balloniert“ bei steigender Erregung, was bedeutet, dass die Vagina mehr Platz bietet. Das heißt, dass es z.B. für denEinstieg reizvoll sein kann mit einem Sexspielzeug von geringerer Größe zu beginnen und dann zu wechseln oder einfach dabei zu bleiben, wenn man zartere Größen sowieso bevorzugt.

Unsere Dildos sind toll, wenn jemand es schätzt, dass die Produkte in Deutschland produziert und plastikfrei verschickt werden. Das, was an dieser Stelle noch gesagt werden muss, ist, dass „in Deutschland produziert“ nicht gleichbedeutend damit ist, dass alle Rohstoffe aus Deutschland kommen. Dafür ist der Markt viel zu vielschichtig und divers. Wir arbeiten aber daran die Lieferketten nachzuvollziehen. Trotzdem ist es so, dass ein Großteil der Rohstoffe aus Deutschland stammt und auch ein Großteil der Wertschöpfung in Deutschland gebündelt wird.

Über Clara und Helen kann man leicht reden. Foto: Labim.

Dildos können den Paarsex reizvoller machen

Und noch ein paar Sätze zu Dildos generell. Dildos eignen sich hervorragend, um die Vagina zu sensibilisieren. No shame for vibration, but: dass, was viele Menschen erleben ist, dass sie wenig Gefühl in der Vagina haben. Wenn einen das stört und man möchte, kann man das aber „trainieren”. Hier lautet das Rezept: richtig hinfühlen, kleinste Wahrnehmungen spüren. Unser bisheriges Fazit lautet: Der Paarsex ist dadurch deutlich reizvoller geworden.

Zum Üben und spüren eignen sich bestimmt diverse Materialien. Feste Dildos haben den Vorteil, dass jede Bewegung 1 zu 1 übertragen wird und man Richtung und Berührungspunkte sehr gut ansteuern kann. Bei unserem Dildo Helen ist es zum Beispiel so, dass mit der großen Kugel der Innenraum massiert werden kann, während der Eingang nicht permanent gedehnt wird. Das lässt viel Bewegung zu kann sich sehr angenehm anfühlen.

EKOLOGISKA: Die beiden Dildos richten sich bislang an Menschen mit Vagina und Vulva – Was ist für die Zukunft geplant?

TARA UND JULIA: Zukünftig soll es noch weitere Modelle geben. Hier arbeiten wir noch mehr an strukturierten Formen, weil selbst feine Strukturen intensiv wahrgenommen werden. Daran merkt man wie feinfühlig die Vagina eigentlich ist. Grundsätzlich sind wir anderen Materialien gegenüber aufgeschlossen. Jedes Material hat seine Vorzüge und Limitationen und nicht jede Form lässt sich immer optimal mit jedem Material umsetzen.

Wir würden super gerne was für Menschen mit Penis machen, aber da fehlte uns bisher die Inspiration. Das könnte ein Kriterium bei der Teamerweiterung sein. Sowieso würden wir gerne ein sehr diverses Team aufbauen, um einfach offene und breit gefächerte Sichtweisen zu erhalten. Generell wollen wir unser Angebot noch um Produkte erweitern, die im erweiterten Sinne zum Wohlfühlen und Luststeigern gedacht sind.


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